Deep Work Link to heading
Vor kurzem habe ich mich der Frage gewidmet, wie man das Meiste aus seiner Arbeit rausholen kann. Wie kann man in einer Welt voller Ablenkungen konzentriert arbeiten, um tagtäglich Bestleistungen zu erbringen? Das Buch “Deep-Work” vom Author Cal Newport hat mir einige Antworten auf diese Fragen gegeben.

Die deutsche Fassung des Buches ‘Deep Work’ von Cal Newport. Quelle: Thalia
Insgesamt habe ich 14 Stunden damit verbracht, das Buch zu lesen und im Detail zu verstehen. Den Inhalt habe ich in diesem Blog-Artikel in meinen Worten leicht verständlich zusammengefasst. Im Durchschnitt braucht man 30 Minuten um ihn zu lesen. Im Folgenden möchte ich die wichtigsten Erkenntnisse teilen, die ich aus diesem Buch gewonnen habe.
Der Author Cal Newport ist übrigens Informatiker, weshalb das Buch nochmals interessanter für mich erschien, da ich ja auch Software-Entwickler bin.
Cal Newport formuliert das Ziel seines Buches folgendermaßen:
“Bei der Arbeit Tiefgang statt Oberflächlichkeit zu erreichen”.
Teil 1: Die Deep-Work Idee Link to heading
Zu allererst möchte ich ein paar Definitionen von Begriffen teilen, die im Folgenden öfters vorkommen:
Deep-Work: Berufliche Aktivitäten, die in einem Zustand ablenkungsfreier Konzentration ausgeübt werden und Ihre geistigen Kapazitäten an ihre Grenze bringen. Diese Leistung schafft neuen Wert, verbessert ihre Fähigkeiten und ist schwer zu kopieren.
Shallow-Work: Kognitiv anspruchslose, logistikorientierte Aufgaben, die häufig unter Ablenkung durchgeführt werden. Diese Tätigkeiten schaffen tendenziell nicht viel neuen Wert in der Welt und sind leicht zu kopieren.
Die Deep-Work-Hypothese: Die Fähigkeit zu Deep-Work ist zunehmend selten und gleichzeitig zunehmend wertvoll in unserem wirtschaftlichen Umfeld. Infolgedessen gehört der Erfolg den Wenigen, die diese Fähigkeit kultivieren und zum Kern ihrer beruflichen Tätigkeit machen.
Leute, die viel erreichen, setzen auf ablenkungsfreie, extrem konzentrierte Arbeit (= Deep-Work). Zum Beispiel hat sich Carl Gustav Jung zum “deep-worken” extra in einen Steinturm im Wald zurückgezogen. Michel de Montaigne, Mark Twain, Woody Allen, Peter Higgs, J.K. Rowling und Bill Gates sind nur ein paar Leute, die Ihren Erfolg der ablenkungsfreien und konzentrierten Arbeit zu verdanken haben.
Networking Tools wie Smartphones, Social Media, E-Mails, etc. fördern Ablenkung und führen zu “Shallow-Work”. Sie haben einen negativen Einfluss auf Deep-Work und durch sie verliert man dauerhaft die Fähigkeit konzentriert zu arbeiten.
Um komplexes zu lernen, muss man “deep-worken”. Deep-Work fördert den eigenen Marktwert.
Marktwert = Wert für die Gesellschaft = Karriere
Heutzutage muss man in der Lage sein, rasch komplizierte Dinge zu lernen. Das erfordert Deep-Work. Wer diese Fähigkeit nicht kultiviert, wird mit den Entwicklungen der Technologie nicht Schritt halten können.
Um Erfolg zu haben, muss man das absolut Beste bieten, das man bieten kann - eine Aufgabe die hohe Konzentration erfordert.
Heutzutage wird jede Person aussortiert, die ihr Geld nicht wert ist. Mit Deep-Work setzt man sich in der weltweiten, wettbewerbsstarken Informationsgesellschaft durch.
Deep Work ist wertvoll! Link to heading
Deep-Work ist heutzutage selten. Das bedeutet: Wenn ich deepworken kann, bringt mir das einen entscheidenden Vorteil allen Anderen gegenüber.
Maschinen übernehmen immer mehr unserer Tätigkeiten -> deshalb sind in Zukunft nur mehr die absolut Besten am Arbeitsmarkt gefragt (Anmerkung meinerseits: Das Buch kam im Jahr 2017 raus. Seitdem hat sich durch KI nochmal einiges verändert und dieses Statement ist meiner Meinung nach wichtiger denn je!). In Zukunft wird auf neue Maschinen statt auf neue Mitarbeiter zurückgegriffen. Gewinner sind also z.B. nicht jene, die Social Media verwenden, sondern jene, die Social Media entwickeln.
In der heutigen Wirtschaft gibt es genau 2 Gewinner-Gruppen:
-
Menschen, die gut und kreativ mit intelligenten Maschinen arbeiten können (hochqualifizierte Arbeitskräfte)
-
Menschen, die in ihrer Tätigkeit die Besten sind (nur diejenigen an der Spitze des Marktes gewinnen, der Rest verliert)
Das Ziel ist es, zu einer der beiden Gruppen zu gehören (ohne Konzentration und Deep-Work, ist dieses Ziel aber unerreichbar)!
Die beiden notwendigen Kernfähigkeiten, um zu einer der beiden Gruppe zu gehören, sind:
- Die Fähigkeit rasch schwierige Herausforderungen zu bewältigen
- Die Fähigkeit, Leistungen auf hohem Niveau zu erbringen, sowohl in Hinsicht auf die Qualität als auch auf die Geschwindigkeit.
Diese beiden Kernfähigkeiten sind abhängig von der Konzentrationsfähigkeit (=Deep-Work)!
Technologien verändern sich rapide und sind kompliziert. Man muss immer und immer wieder in der Lage sein diese schwierigen neuen Sachen zu lernen.
- Konzentration ist der Schlüssel!
- Ablenkung ist schlecht!
Wenn ein Mensch Fähigkeiten verbessert bzw. neue Sachen lernt (z.B. durch Deep-Work), dann wird “Myelin” rund um die Neuronen im Gehirn aufgebaut. Myelin ist eine Fettschicht und legt sich um die Neuronen herum wie eine Art Isolationsbeschichtung und ermöglicht es den Zellen, Signale schneller und präziser zu übertragen. Durch Vermeidung von Ablenkung und intensive Fokussierung auf Aufgaben, also durch Deep-Work, wird die Produktion von Myelin angeregt. Dadurch wird die Myelin-Fettschicht dicker, Schaltkreise werden stärker und kleine “Wissens-Pfade” werden zu großen “Wissens-Autobahnen” im Hirn.

Myelin wickelt sich um die Neuronen im Hirn herum. Quelle: SimplyPsychology
- Mit Deep-Work lernt man schwierige Dinge schnell
- Mit Deep-Work erbringt man Leistungen auf höherem Niveau
Für Deepwork ist Isolation und Abschottung wichtig!
Es gilt folgende Formel:
Hochwertig geleistete Arbeit = Zeitaufwand x Intensität der Konzentration
Wenn man aus einer Arbeit plötzlich “rausgerissen” wird und dann eine andere Arbeit machen muss, resultiert das in mangelhafter Leistung. Es wirkt sich also schädlich auf die Leistungsfähigkeit aus! Das zeigt eine Studie von Sophie Leroy namens “Why is it so hard to do my work?”

Die Philosophin Antonin-Dalmace Sertillanges formulierte es folgendermaßen: Man sollte den Verstand wie eine Linse zur Bündelung der Aufmerksamkeit nutzen! Quelle: Lumeno.de
Aber wenn das alles stimmt - warum gibt es dann auch stark abgelenkte Menschen, die erfolgreich sind (wie z.B. Jack Dorsey - Mitbegründer von Twitter)? Jack Dorsey ist ein CEO! Konzentriert nachdenken über ein einziges Problem steht nicht in seiner Stellenbeschreibung. Deep-Work wäre bei ihm sogar kontraproduktiv. Er ist gerade deswegen erfolgreich, weil er ständig abrufbereit ist. Aber das ist nur bei sehr sehr wenigen Jobs der Fall! Und in Zukunft wird es immer weniger Jobs geben, wo Deep-Work kontraproduktiv ist.
Deep Work ist selten! Link to heading
In manchen Bereichen unseres Wirtschaftssystems wird Deep-Work nicht wertgeschätzt: Im Büro muss man z.B. immer abrufbereit sein. Business-Trends arbeiten gegen Deep-Work und Deep-Work ist in heutigen Unternehmen selten anzutreffen. Wieso? Aus vier Gründen:
1. Das metrische schwarze Loch:
Der Gewinn, den Unternehmen aus Deep-Work schlagen können, ist schwer messbar und deswegen sehen Firmen den Vorteil von Deep-Work nicht “Schwarz auf Weiß” vor sich liegen.
2. Das Prinzip des geringsten Widerstands:
Menschen neigen zu dem Verhalten, das im Moment das einfachste ist. Und Deep-Work ist meistens nicht einfach/angenehm. Deshalb wird es vermieden. Insbesondere dann, wenn man kein Feedback über die Vorteile von Deep-Work erhält (Siehe “metrisches schwarzes Loch”). Die “Erreichbarkeitskultur” wird hingegen als “einfacher” angesehen.
3. Geschäftigkeit als Stellvertreter für Produktivität:
Wenn man oft auf’s Handy schaut, Mails beantwortet, Meetings plant, etc. lässt das einen nach “Außen” hin “geschäftig” und “fleißig” wirken. Damit will man andere Leute davon überzeugen, dass man seine Arbeit gut macht. Aber Geschäftigkeit als Stellvertreter für Produktivität zu nutzen ist falsch! Sich abzuschotten und Deep-Work machen ist das Gegenteil von “Geschäftigkeit”!
4. Kultur des Internets:
Man denkt, dass eine mit dem Internet zusammenhängende Verhaltensweise prinzipiell etwas gutes sei. Alles was mit dem Internet zu tun hat, wird in den Himmel gehoben und wird als gut und “modern” angesehen. Jeder muss z.B. auf Twitter aktiv sein und sich davon jeden Tag ablenken lassen, weil man sonst gesellschaftlich “unsichtbar” und “altmodisch” wirkt wenn man das nicht macht.
Deep Work ist bedeutsam! Link to heading
Unser Gehirn konstruiert unsere Weltansicht basierend auf dem, wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken. Bei Shallow-Work wird unsere Aufmerksamkeit meistens auf etwas Nerviges gelenkt (z.B. Spam-Mails, etc.)
Wie das Buch “Flow: The Psychology of Optimal Experience” von Mihaly Csikszentmihalyi bestätigt, macht der Flow-Zustand glücklich. Deep-Work ist “Flow”!
ESM-Studien (Experience Sampling Method) belegen: Der Mensch fühlt sich am wohlsten und ist am glücklichsten, wenn er sich tief in eine anspruchsvolle Aufgabe versenken kann. Arbeit ist wie ein “Handwerk”. Wenn man die eigenen Fähigkeiten mit Sorgfalt nutzt, kann man aus den täglichen Mühen Sinn schöpfen. Und Sinn macht glücklich. Die Sinnhaftigkeit entsteht durch die Tätigkeit selbst und nicht durch das Ergebnis, das rauskommt. Deep-Work verwandelt eine ermüdende Verpflichtung in ein edles Handwerk. Deep Work kann in der Informationswirtschaft ebenso viel Befriedigung schaffen, wie es das im Handwerk so offensichtlich tut.
Ein fokussiertes Leben ist ein gutes Leben - egal wie Sie es betrachten!
Ein Leben mit Tiefgang ist nicht nur ein wirtschaftlich lukratives, sondern auch ein erfüllendes Leben!
Deep-Work bringt Ernsthaftigkeit und Bedeutsamkeit mit sich (Egal ob ein Schmied ein Schwert schmiedet oder ein Programmierer einen Algorithmus entwickelt):
“Ein schöner Code ist kurz und präzise, und wenn man diesen Code einem anderen Programmierer gäbe, würde er sagen: Oh das ist gut geschriebener Code. Es ist so, als würde man ein Gedicht schreiben. — Santiago Gonzalez (ein 14-jähriger Programmierer)
Teil 2: Die Deep-Work Regeln Link to heading
Dieser Teil befasst sich mit den Regeln, an die man sich halten sollte, um Deep-Work zu meistern!
Regel Nr. 1: Konzentriert arbeiten! Link to heading
Im Folgenden finden sich Ratschläge, wie man am besten konzentriert arbeitet.
Die Eudaimonia-Maschine Link to heading
Was ist der perfekte Ort für Deep-Work?
David Dewane (Architekt und Unternehmer) versuchte eine Antwort auf diese Frage zu finden und entwarf die “Eudaimonia-Maschine”. Das ist ein Office, das nur dem einzigen Zweck dient, das beste/tiefste “Deep-Work” zu ermöglichen. Die Räume sind so angeordnet, dass man zuerst jeden Raum durchqueren muss, um in den nächsten zu gelangen.

Office Layout der Eudaimonia Machine. Quelle: Fentress Incorporated
1. Galerie:
Dieser Raum stellt die durch “Deep-Work” entstandenen “Werke” aus und erzeugt dadurch “Gruppendruck”.
2. Salon:
Dieser Raum ist gemütlich und dazu da, um zu debattieren, zu grübeln und zu denken.
3. Bibliothek:
Dieser Raum ist zur Lagerung aller erzeugten Arbeiten da. Er ist die “Festplatte” des Office.
4. Büro:
Dieser Raum ist für oberflächliche Arbeiten da. Er enthält z.B. Whiteboard und Schreibtisch.
5. Deep-Work-Kammern:
Dieser Raum entält mehrere Kammern zur totalen Isolation. Jede Kammer ist 2x3 Meter groß. An den Wänden ist 45cm dicke Schall-Isolation angebracht. Der Plan ist, 90 Minuten in einer Kammer mit Deep-Work zu verbringen und anschließend 90 Minuten Pause zu machen. Dies wiederholt man dann 2- bis 3-Mal.
Ablenkungen und Willenskraft Link to heading
Jeder Mensch besitzt einen endlichen Vorrat an Willenskraft, um den täglichen Ablenkungen (wie dem Smartphone, dem Fernseher, etc.) zu widerstehen. Dieser Vorrat erschöpft sich mit seiner Verwendung. Deshalb sind Routineabläufe und Gewohnheiten so wichtig! Ein Beispiel für eine Routine, die beim Deep-Worken hilft, wäre folgende: Jeden Tag morgens zur selben Zeit aufstehen und arbeiten. Das hilft enorm! Einige solcher Routinen/Rituale zur Maximierung von Deep-Work werden in diesem Blogartikel noch näher besprochen.
Die mönchische Deep-Work Philosophie Link to heading
Diese Philosophie versucht die Bestrebungen zur Konzentration zu maximieren, indem “Shallow-Work” radikal minimiert wird. Zum Beispiel: E-Mail-Adressen löschen, Postadresse geheim halten, von allen Social-Media-Kanälen abmelden, alles konzentrationsstörende eliminieren, etc. Die mönchische Deep-Work Philosophie räumt Deep-Work den höchsten Stellenwert ein und eliminiert/minimiert alle anderen Arten der Arbeit. Das Ziel davon ist, Die Ablenkung und Oberflächlichkeit komplett aus dem Leben zu verbannen.
Leute, die diese Philosophie anwenden sind z.B.: der Informatiker Donald Knuth oder der Science-Fiction-Author Neal Stephenson.
Die bimodale Deep-Work Philosophie Link to heading
Herangehensweise: Zeit aufteilen in Deep-Work Phasen und Shallow-Work Phasen.
Bei der bimodalen Deep-Work Philosophie widmet maneinige klar festgelegte Abschnitte dem konzentrierten Arbeiten und lässt den Rest offen für alles übrige. Während der Deep-Work Abschnitte hat man “mönchshafte”, intensive und unterbrechungsfreie Konzentration. Während “Shallow-Work” Phasen hingegen nicht.
Diese Philosophie wendete z.B.: Carl Gustav Jung (Begründer der analytischen Psychologie) an. Er sperrte sich zum deep-worken in einem Steinturm im Wald ein, aber arbeitete daneben noch normal in seiner Praxis in Zürich und in Kaffeehäusern.
Adam Grant (Amerikanischer Autor, Psychologe und Professor) ist ein “moderner” Vertreter dieser Philosophie.
Die rhythmische Deep-Work Philosophie Link to heading
Herangehensweise: Deep-Work Sitzungen in eine einfache und regelmäßige Gewohnheit umwandeln.
Ziel: Einen Rhythmus für die Tätigkeiten erzeugen. Das eliminiert die Notwendigkeit Deep-Work Phasen zu planen etc.
Anwender: Brian Chappell (ein unbekannter, vielbeschäftigter Doktorand). Er etablierte für sich z.B. die Routine, jeden Tag in der Früh vor dem Arbeiten 90 Minuten lang Deep-Work zu machen.
Die journalistische Deep-Work Philosophie Link to heading
Vorgehensweise, bei der man Deep-Work spontan in den Tagesplan einfügt, wann immer es sich einrichten lässt. Wenn man zwischendurch mal freie Zeitfenster hat, nutzt man sie für Deep-Work.
Anwender: Walter Isaacson (Schriftsteller und Biograph)
Rituale schaffen Link to heading
Wenn man Deep-Work praktiziert, sollte man sich über folgendes Gedanken machen:
1. Wo?
Am besten an einem Ort, der ausschließlich Deep-Work vorbehalten ist. Er soll ruhig und isoliert sein.
2. Wie lange?
Es ist wichtig, von vornherein einen Zeitrahmen zu definieren, damit die Deep-Work-Sitzung eine eigenständige Aufgabe ist, statt einer “Plackerei ohne Ende”.
3. Wie arbeiten?
Regeln, Prozesse und Struktur sind wichtig!
Man sollte z. B. definieren, was man während einer Deep-Work-Sitzung darf und was nicht (z. B. kein Internet verwenden, kein Smartphone, etc.). Das muss man aber schon im vorhinein definieren, damit man sich nicht erst während dem Arbeiten Gedanken darüber machen muss.
4. Wie die Arbeit unterstützen?
Man kann z. B. am Vortag schon “Meal-Preppen”, sodass man sich beim Arbeiten mit Essen stärken kann oder man kann sich Arbeitsmaterialien bereitlegen, um die Arbeit zu unterstützen oder spazieren gehen, um Energie zu tanken oder das Arbeiten mit einer Tasse Tee starten und immer schauen, dass genügend Studentenfutter griffbereit ist, etc.
Große Gesten machen Link to heading
Beispiel 1:
J. K. Rowling zog extra in ein teures 5-Sterne-Luxus-Hotel, um den letzten Teil der Harry Potter Reihe zu vollenden. Warum? Weil Sie zu Hause zu sehr abgelenkt wurde.
Beispiel 2:
Bill Gates zog sich zu “Denkwochen” mit Büchern in eine Hütte zurück.
Beispiel 3:
Alan Lightman (MIT Physiker) zieht sich jeden Sommer auf eine winzige Insel ohne Internet und Telefon zurück, um ungestört arbeiten zu können.
Beispiel 4:
Dan Pink und Michael Pollan errichteten eigene “Schreibhütten” auf ihren Grundstücken, nur um sich dahin zum Schreiben zurückziehen zu können. Der Entwurf und Bau dieser Hütten waren zeitintensiv und mit großen Kosten verbunden. Das war daher eine “große Geste”.
Beispiel 5:
Peter Shankman buchte einen Flug nach Tokio und sofort wieder zurück, nur um während des Fluges ungestört Deep-Work machen zu können. Die 4000-Dollar-Reise war sehr teuer, aufwändig und daher eine “große Geste”.
Was sollen alle diese Beispiele verdeutlichen?
Durch einen radikalen Wechsel der normalen Umgebung (evtl. verbunden mit einer erheblichen Investition von Mühen oder Geld) wird die wahrgenommene Bedeutsamkeit der Aufgabe erhöht. Diese gesteigerte Wichtigkeit mindert den inneren Instinkt der Prokrastination und verleiht einen Motivations-Energieschub!
Alleine arbeiten vs. gemeinsam arbeiten Link to heading
Ein Großraumbüro ist immens ablenkungsintensiv. Nachdenken und konzentriert arbeiten ist hier sehr schwierig. Aber aus der zufälligen Begegnung von Menschen entstehen neue Ideen (= Theroie der zufälligen Kreativität).
Im “Gebäude 20” des MIT wurden Leute aus ganz verschiedenen Branchen beherbergt: Kernphysiker, Linguistiker, Elektroniker, Klavierbauer, etc. Die zufälligen Begegnungen der Leute dort führte zu einem “Geist des Erfindertums”, wodurch viele bahnbrechende Erfindungen entstanden sind. Ein einsamer Wissenschaftler in einem Steinturm hätte das nicht geschafft. Auf der anderen Seite sind solche Orte auch extrem ablenkungsintensiv.
Es braucht beides:
1. Einsame Denker, die isoliert von Inspiration aber frei von Ablenkungen sind
2. Hochgradig kollaborative Denker, die in Großraumbüros von Inspiration überflutet werden, aber denen die Konzentration fehlt, um darauf aufzubauen.
Tipp: “Öffnen Sie sich regelmäßig für Ideen in Netzwerken, aber bewahren Sie sich einen Rückzugsort, in dem Sie das vertiefen können, dem sie begegnet sind!”
Whiteboard-Effekt:
Bei manchen Arten von Problemen, kann die Zusammenarbeit mit jemand anderem am sprichwörtlichen gemeinsamen Whiteboard weiter führen, als wenn man sich alleine damit beschäftigt.
Die 4 Disziplinen der Umsetzung Link to heading
Disziplin Nr. 1: Konzentrieren Sie sich auf das allerwichtigste Link to heading
Beim Deep-Work sollte man sich auf die wichtigsten Ziele fokussieren! Anstatt viele Ziele festzulegen, die nicht so wichtig sind, ist es besser, wenige Ziele festzulegen, die aber dafür ambitioniert und wichtig sind!
“Fokussiertes Arbeiten für ehrgeizige Ziele!”
Disziplin Nr. 2: Handeln Sie gemäß ihren Zielsetzungen Link to heading
- Fehlbedarf: beschreibt, was man verbessern will.
- Zielsetzung: misst die neuen Verhaltensweisen, die den Fehlbedarf zum Erfolg führen.
Man sollte sich besser auf die Zielsetzung fokussieren, weil die Zielsetzung kann man selber beeinflussen und sie ist auch messbar! Der Fehlbedarf ist das nicht. Folgendes Beispiel zeigt, warum das wichtig ist:
- Fehlbedarf: Kundenzufriedenheitswert in Bäckerei erhöhen
- Zielsetzung: Die Zahl der Kunden, die gratis Kostproben erhalten. Je höher die Zahl, desto besser der Fehlbedarf.
Disziplin Nr. 3: Sammeln Sie Erfolgspunkte Link to heading
Es ist wichtig, die mit Deep-Work verbrauchten Stunden als Punkte zu zählen und zu notieren. Dadurch kann man die Deep-Work-Stunden mit greifbaren Resultaten verknüpfen. Und man kann die Erwartungen davon anpassen, wie viele Stunden Deep-Work pro Ergebnis notwendig sind.
Disziplin Nr. 4: Schaffen Sie einen Rhythmus der Verantwortlichkeit Link to heading
Dieser vorher genannte Punktestand muss wöchentlich überprüft werden. Dann kann man gute Wochen feiern! Und zusätzlich sollte man sich noch folgendes fragen:
- Was hat zu schlechten Wochen geführt?
- Wie kann ich für die nächste Woche eine gute Punktezahl gewährleisten?
Auszeiten sind wichtig! Link to heading
Nicht abschalten zu können gefährdet die Deep-Work Strategie, weil Konzentration eine endliche Ressource ist!
“Lösen Sie sich am Ende des Arbeitstages von beruflichen Problemstellungen!” –> Die Gedanken müssen wirklich komplett frei sein von Arbeit.
Auszeiten schaffen Einsichten! Link to heading
Die Theorie des unbewussten Denkens (UTT) besagt folgendes:
Bei menschlichen Entscheidungen, die große Mengen an Information und zahlreiche ungewisse Einschränkungen umschließen, eigent sich das unbewusste Denken gut, um die Aufgabe zu lösen. Ruhezeiten für den “bewussten Verstand” ermöglichen dem “unbewussten Verstand”, sich rasch durch die kompliziertesten beruflichen Aufgabenstellungen durchzuarbeiten.
Auszeiten füllen die für Deep-Work notwendigen Energiereserven auf! Link to heading
Die “Attention Restauration Theory” besagt folgendes:
Um sich konzentrieren zu können, benötigt man “gelenkte Aufmerksamkeit”. Diese Ressource ist endlich - also wenn sie aufgebraucht ist, fällt das Konzentrieren schwer. Die ART belegt in Studien, dass sich die gelenkte Aufmerksamkeit z. B. beim Spazieren in der Natur regeneriert. Warum? Weil die Kombination aus wenigen Aufgaben (in diesem Fall entspanntes herumgehen) und genügend interessanten Reizen (in diesem Fall Sonnenuntergang sehen bzw. Vögel beobachten), die Konzentrationsressourcen erneuert!
Im Gegenteil dazu verringert ein Spaziergang in der Stadt die Konzentrationsressourcen, weil hierfür gelenkte Aufmerksamkeit verbraucht wird (z. B. muss man auf den Verkehr achten, Straßen überqueren, auf entgegenkommende Leute achten, etc.). Daher sollten solche Spaziergänge in der Stadt vermieden werden, weil sie eher auslaugen als entspannen.
Um die gelenkte Aufmerksamkeit zu regenerieren, eignet sich aber nicht nur ein Spaziergang in der Natur sondern auch alles Andere, das der Fähigkeit der Aufmerksamkeitslenkung eine Pause gönnt. Diese entspannenden Aktivitäten sollten frei von gelenkter Konzentration sein und inhärent faszinierende Reize beinhalten. Eine persönliche Recherche zu dem Thema zeigte mir, dass sich folgende “Soft Fascination Activities” besonders gut anbieten:
- Naturgeräusche hören
- Aus dem Zimmerfenster sehen
- Beim Zug-Fahren aus dem Fenster sehen
- Stadtlichter beobachten
- “Ambient-Music” hören
- Kerzenflamme oder Kaminfeuer/Lagerfeuer beobachten
- Regen beobachten und das Regengeräusch hören
- Wolken beobachten
- Auch belanglose Aktivitäten wie z. B. eine Teezeremonie können entspannen
Auf gar keinen Fall sollte man den Feierabend noch unterbrechen mit E-Mails checken, Nachrichten beantworten, etc. Dann kann sich nämlich die gelenkte Aufmerksamkeit nicht regenerieren. Nur die Gewissheit, dass man bis zum nächsten Tag die Arbeit ruhen lässt, kann das Hirn davon überzeugen, so weit herunterzufahren, dass es mit dem Aufladen für den nächsten Tag beginnen kann. Wenn man versucht, noch ein bisschen Arbeit aus dem Feierabend herauszuquetschen, könnte das die persönliche Effektivität am nächsten Tag so weit verringern, dass man letztlich weniger erledigt bekommt, als wenn man den Feierabend respektiert hätte.
Die Arbeit, die den Feierabend ersetzt, ist nicht so wichtig! Link to heading
Die Deep-Work Kapazitäten eines Menschen sind pro Tag begrenzt. Die Kapazitätsgrenze erreicht man im Laufe des Tages. Deswegen kann man am Abend nicht mehr konzentriert arbeiten, da das Kontingent bereits erschöpft ist. Jede Tätigkeit in den Nachtstunden wird die Karriere nicht voranbringen, weil sie unkonzentrierte “Shallow-Work” ohne viel Wert ist. Man verpasst also nichts, wenn man getrost in den Feierabend geht! Daher ist es wichtig nach Feierabend nicht einmal den geringsten Gedanken an Arbeit zu verschwenden. Man muss komplett abschalten. Dabei können “Feierabendrituale” helfen (z. B. kann man alles, was nicht erledigt werden konnte, auf einen Zettel aufschreiben und das dann erst morgen erledigen - dann kann man das “Arbeiten” in der “Arbeit” lassen, dort wo es hingehört.).
Regel Nr. 2: Langeweile zulassen! Link to heading
Die meisten Menschen lenken sich beim kleinsten Anzeichen von Langeweile sofort mit dem Smartphone ab (z. B. im Wartezimmer beim Arzt). Einfach nur zu warten und sich zu langweilen ist im heutigen Leben zu einer neuartigen Erfahrung geworden - aber aus der Perspektive des Konzentrationstrainings ist genau das von unschätzbarem Wert.
Deep-Work ist eine extreme und ernsthafte Disziplin. Es ist intensivstes Gehirntraining und erfordert viel Übung. Deep-Work baut “mentale Muskulatur” auf. Sich intensiv zu konzentrieren muss trainiert werden.
Ungestörte Konzentration ist wie die Verwendung von Zahnseide – man weiß wie es geht und man weiß, dass es einem gut tut aber man hat es aufgrund mangelnder Motivation vernachlässigt. — Cal Newport
Deep-Work benötigt eine innere Verpflichtung, die Fähigkeit des konzentrierens regelmäßig zu trainieren, damit man sie nicht verlernt. Daran wird man aber gehindert durch die “Ablenkungssucht”, die sich in unserer Gesellschaft etabliert hat. Wir möchten mittlerweile schon den kleinsten Anzeichen von Langeweile entgehen und greifen in solchen Situationen zum Handy, Laptop, etc. Aber Langeweile ist etwas Gutes!
Studien von Clifford Nass ergaben, dass der ständige Wechsel der Aufmerksamkeit online einen dauerhaften, negativen Einfluss auf das Gehirn hat. Diese chronisch abgelenkten Menschen können irrelevantes nicht mehr herausfiltern. Sie haben Denkgewohnheiten etabliert, die es ihnen unmöglich machen, sich total zu fokussieren.
Zusammengefasst bedeutet das: Wenn man jeden Moment potenzieller Langeweile im Leben (z. B. wenn man 5 min. in einer Warteschlange steht oder im Restaurant auf die Freundin wartet) nur durch einen Blick auf das Smartphone erleichtern kann, ist das Gehirn so weit “neu verknüpft”, dass es nicht mehr für Deep-Work bereit ist - auch wenn man es versucht. Selbst wenn man regelmäßig Zeit einplant, um konzentriert zu arbeiten - es geht nicht mehr. Deshalb muss man den Verstand von der Ablenkungssucht befreien. Das Gehirn muss dazu neu programmiert werden. Und zwar mit den folgenden vier Strategien:
Strategie Nr. 1: Internetphasen definieren Link to heading
Strategie:
Planen Sie im Voraus, wann Sie das Internet nutzen wollen, und meiden Sie es außerhalb dieser Zeiten vollständig! Das gilt sowohl für die Arbeitszeit, als auch für die Freizeit.
Umsetzung:
Einen Zettel neben den Laptop bzw. neben das Smartphone legen und darauf den nächsten Zeitpunkt schreiben, zu dem man das Internet wieder nutzen darf.
Das funktioniert auch für Berufe, die eine Menge Internetnutzung verlangen. Denn in diesem Fall bedeutet das lediglich, dass die Internetphasen zahlreicher sein werden als bei Leuten mit anderen Berufen. Die Gesamtdauer der Phasen ist nicht so wichtig, wie dafür zu sorgen, dass die Integrität der Offlinephasen gewahrt bleibt.
Egal, wie die Internetphasen geplant sind - man darf das Internat außerhalb dieser Phasen absolut nicht nutzen! Auch wenn man es unbedingt benötigt, sollte man es nicht nutzen, sondern stattdessen auf die nächste “Onlinephase” warten. Dadurch entkoppelt man das Gefühl online gehen zu wollen von der Belohnung durch die tatsächliche Umsetzung dieses Wunsches.
Strategie Nr. 2: Roosevelt-Energieblitze Link to heading
Hier legt man eine anspruchsvolle Aufgabe fest, schätzt ab wie lange man normalerweise dafür brauchen würde und setzt sich dann eine enge Frist, die diesen Zeitraum drastisch verringert. Die auferlegte Frist sollte man sich dann genau am Rande der Machbarkeit setzen.
Optional kann man sich dabei auch noch gut sichtbar eine Uhr aufstellen, damit man sieht, wie die Zeit abläuft. Oder jemand anderem versprechen, dass die Aufgabe zu der gesetzten “Deadline” fertig ist. Dann verspürt man mehr “Druck” es wirklich zu machen bzw. es in der Zeit zu schaffen.
Roosevelt-Endergieblitze sind ein “Intervalltraining für die Aufmerksamkeitszentren des Gehirns”. Außerdem kann man sie nur ohne Ablenkungen (z. B. Smartphone, etc.) erledigen.
Strategie Nr. 3: Produktives meditieren Link to heading
Ziel des produktiven meditierens ist es, sich einen Zeitraum auszuwählen, in dem man körperlich, aber nicht mental beschäftigt ist (z. B. beim Gehen, Joggen, Autofahren, Duschen, im Gym, beim U-Bahn fahren, etc.). Und dann versucht man in diesem Zeitraum die Aufmerksamkeit auf ein einzelnes, genau umrissenes berufliches Problem (z. B. einen neuen Blogartikel verfassen) zu richten. Damit übt man das Konzentrieren und ist während belanglosen, körperlichen Aktivitäten auch noch produktiv. So findet man z. B. Lösungen für verzwickte Probleme, wenn man in die Arbeit spaziert.
Der Grund, warum man produktiv meditieren sollte, ist, weil das die Konzentrationsfähigkeit rapide verbessern kann. Indem man der Ablenkung widerstehen und die Aufmerksamkeit wiederholt auf ein fest umrissenes Problem zurücklenkt, stärkt man die Ablenkungsresistenz. Und indem man sich immer enger auf ein einzelnes Problem fokussiert, schärft man die Konzentration. Das zu können erfordert aber viel Übung.
Zum Beispiel muss man gegen Ablenkungen und Gedankenschleifen immer wieder ankämpfen. Wenn man merkt, dass die Aufmerksamkeit von dem gegebenen Problem weggleitet, sollte man sich sanft daran erinnern, dass man sowieso später wieder zu diesem ablenkenden Gedanken zurückkehren kann, aber jetzt die Aufmerksamkeit wieder zu dem gegebenen Problem zurückgelenkt werden muss. Das Gehirn möchte evolutionsbedingt das tiefere Eindringen in Problemstellungen vermeiden, da es einen übermäßigen Aufwand an Energie vermeiden will. Stattdessen wiederholt es in Gedankenschleifen Sachen, die man sowieso schon weiß. Wenn man es bemerkt, in einer Gedankenschleife zu sein, sollte man die Aufmerksamkeit wieder auf den nächsten Schritt lenken.
Die Konzentrationsfähigkeit wird auch erhöht, wenn man die Gedanken strukturiert. Die Vorgehensweise ist hierbei folgendermaßen:
- Gedanken in Variablen speichern
- Frage festlegen, die mit den Variablen beantwortet wird
- Zusammenfassen der Erkenntnisse
Strategie Nr. 4: Sich ein Kartendeck merken Link to heading
Sich ein Kartendeck zu merken ist ein weiteres Training zur Aufmerksamkeits- und Konzentrationssteigerung. Aber nicht nur Karten merken, sondern generell jeder strukturierte Prozess, der ungeteilte Aufmerksamkeit erfordert, kann einen ähnlichen Effekt haben. Zum Beispiel der Versuch, aus dem Gedächtnis einen Song auf der Gitarre nachzuspielen. Oder eine Partie Schach (vorausgesetzt es ist eine Partie, die mental fordernd ist).
Da das Kartendeck merken so ein gutes Training der Konzentrationssteigerung ist, findet sich im folgenden eine Anleitung, wie man das am besten macht:
-
Ein Mentales Bild erstellen, wie ich durch 5 Räume meines Hauses gehe. Wichtig: klare Bilder hervorrufen, was ich sehe.
-
In meinem Gedächtnis eine Auswahl von 10 Gegenständen pro Raum verankern. Die Gegenstände sollten groß und “erinnerungswürdig” sein.
-
Eine Reihenfolge festlegen, in der ich mir diese Gegenstände in den Zimmern ansehe.
-
Den Rundgang durch die Räume und das Betrachten der Gegenstände in jedem Raum in einer festgelegten Reihenfolge üben.
-
Eine denkwürdige Person oder einen Gegenstand mit jeder der 52 Karten assoziieren. Dazu irgendeine logische Verbindung zwischen den Karten und den dazugehörigen Bildern herstellen. Zum Beispiel könnte man Donald Trum mit Karo-König verknüpfen, weil die Karoform an Diamanten erinnert und diese für Reichtum stehen. Diese Assoziationen müssen dann so lange eingeübt werden, bis ich eine beliebige Karte aus dem Spiel ziehen und sofort das damit verbundene Bild aufrufen kann.
-
Diese ersten 5 Schritte sind vorbereitende Schritte und müssen nur einmal durchgeführt werden. Einmal gemacht, funktioniert es für immer.
-
Nun die Hauptaufgabe: Sich die Reihenfolge der 52 Karten merken.
Dazu blättert man das Kartendeck der Reihe nach durch und macht analog dazu den mentalen Rundgang durch’s Haus. Dabei stellt man sich bei jeder Karte vor, wie die dazugehörige, eingeprägte Person etwas erinnerungswertes nahe diesem Gegenstand tut.
Beispiel: Wenn der erste Gegenstand im Raum eine Türmatte ist und die erste Karte der Karo-König ist, könnte man sich vorstellen wie sich Donald Trump an der Türmatte die Schuhe abputzt.
Regel Nr. 3: Die digitalen sozialen Netzwerke verlassen! Link to heading
Beliebte Gründe, warum Social-Media verwendet wird:
- Unterhaltung: “Ich kann auf Social-Media sehen was Freunde machen.”
- Freundschaften: “Ich kann auf Social-Media neue Freundschaften schließen.”
- Kontakt: “Auf Facebook sind noch einige Leute aus meiner Schulzeit und ich will den Kontakt halten.”
Diese Gründe sind aber überraschend unbedeutend:
- Ohne Social-Media kann man auch unterhalten werden. Es gibt viel bessere Möglichkeiten der Unterhaltung!
- Die Freundschaften auf Social-Media sind eher oberflächlicher Natur. Sie stellen nicht den Mittelpunkt des sozialen Lebens dar.
- Den Kontakt zu alten Schulfreunden zu halten ist nett, aber kaum entscheidend für ein zufriedenes, soziales Leben.
Ein paar Fakten:
- Man fühlt sich weniger unter Druck, wenn man Neuigkeiten nicht erfährt (also wenn man Social Media verlässt).
- Social Media verringert unsere Konzentrationsfähigkeit.
- Ablenkungsintensive Apps und Browsertabs hindern uns an Deep-Work.
- Social-Media ist darauf ausgelegt, süchtig zu machen.
- Social-Media kann schädlich sein.
- Social Media zieht Zeit und Aufmerksamkeit von Aktivitäten ab, die berufliche und persönliche Ziele unterstützen.
Werkzeugauswahl nach Handwerksart Link to heading
Social Media bzw. Netzwerk-Tools sind Werkzeuge (Wie Hammer und Schraubenzieher). Man muss eine sorgfältige Entscheidung treffen, ob sich diese digitalen Werkzeuge dazu eignen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Man muss also sorgfältig die Vor- und Nachteile abwägen. Natürlich bringt jedes Tool siene eigenen Vor- und Nachteile mit sich. Wichtig ist, eine bewusste Entscheidung zu treffen, ob man das Tool verwendet (weil die Vorteile überwiegen) oder ob man es bleiben lässt (weil die Nahteile überwiegen).
Die Werkzeugsauswahl nach Handwerksart funktioniert folgendermaßen:
Bestimmen Sie die Kernfaktoren, die Erfolg und Zufriedenheit für ihr berufliches und persönliches Leben ausmachen. Wählen Sie ein Tool nur dann aus, wenn seine positiven Auswirkungen auf diese Faktoren eindeutig die negativen Folgen überwiegen.
Das Pareto-Prinzip Link to heading
In vielen Fällen beruhen 80% eines gegebenen Effekts auf nur 20% der möglichen Ursachen.
Beispiele:
- 80% des Gewinns eines Unternehmens werden durch nur 20% seiner Kunden generiert.
- 80% der Computerabstürze werden durch nur 20% der bekannten Bugs hervorgerufen.
Diese 80-20 Aufteilung kommt oft in der wirklichen Welt vor.
Umgemünzt auf Social-Media:
Wenn man Tätigkeiten nachgeht, die einen geringen Nutzen haben, hat man weniger Zeit für Aktivitäten mit höherem Nutzen. Social-Media zählt nicht zu den 20% der Aktivitäten, die den Großteil des eigenen Karriere-Erfolgs ausmachen. Wenn also 80% Ergebnis auf nur 20% der Aktivitäten beruhen, muss man sich gut überlegen, welche Aktivitäten man in den kleinen Rahmen von 20% reinnimmt. Es sollten nur die besten sein. Und keine Doom-Scrolling-Zeitverschwendung.
Auf Social Media verzichten! Link to heading
Eine weitere Strategie: Social-Media-Apps 30 Tage lang nicht nutzen. Danach fragt man sich, ob die letzten 30 Tage mit den Apps besser gewesen wären und ob es überhaupt jemanden gekümmert hat, dass man die Apps nicht verwendet hat. Bei dieser Strategie sollte man aber niemandem davon erzählen, dass man die Apps nicht mehr nutzt sonst wird man beeinflusst.
Social Media hat enormes Suchtpotential und fügt der Konzentration großen Schaden zu.
Social Media bedeutet:
“Ich beachte das, was du sagst, wenn du das beachtest, was ich sage - unabhängig von seinem Wert.”
Das verleiht jedem eine scheinbare Wichtigkeit, ohne große Bemühungen zu erfordern.
Das Internet nicht zur Unterhaltung verwenden! Link to heading
Man sollte das Internet nicht zur Unterhaltung nutzen. Die Zeit außerhalb der Arbeit sollte man gezielt nutzen. Unterhaltungsorientierte Websites (z. B. Reddit, etc.) erzielen maximale Aufmerksamkeit und sind oberflächlich. Das ist sehr gefährlich weil das ansehen dieser Seiten kann man sehr schnell zwischendurch machen und man muss sich nicht einmal dafür an- oder abmelden wie bei Social Media.
Die Lösung:
Freizeit bewusster gestalten und schon “vorplanen” was man jeden Tag in der Freizeit macht. Füllt man freie Zeiten mit etwas wertvollem, verfällt man nicht in Langeweile, die durch Websites gefüllt werden muss. Es ist entscheidend, dass man sich schon im Voraus überlegt, was man an den Abenden und Wochenenden macht, noch ehe sie begonnen haben. Zum Beispiel geregelte Hobbies sind gut! Die Freizeit sollte mit qualitativ hochwertigen Sachen verbracht werden und entspannend sein. Social Media mit “Brainrot-Content” ist das z. B. nicht! Wenn man das macht, wird man erfahren, was es bedeutet zu “leben” und nicht bloß zu “existieren”.
Regel Nr. 4: “Seichtigkeit” reduzieren! Link to heading
Unternehmensmitgründer Jason Fried führte für seine Firma die 4-Tage-Woche ein (also 4x8 Stunden statt 5x8 Stunden Arbeit pro Woche).
Warum?
Weil Zitat: “Weniger offizielle Arbeitsstunden pressen das “Fett” aus einer typischen Arbeitswoche. Sobald jeder weniger Zeit hat, seine Aufgaben erledigt zu bekommen, respektiert er diese Zeit deutlich mehr. Die Leute werden knauserig mit ihrer Zeit, und das ist gut so. Sie verschwenden sie nicht mit unwichtigem. Wenn man weniger Stunden zur Verfügung hat, nutzt man sie im allgemeinen klüger.”
Shallow-Work-Tätigkeiten, welche die Aufmerksamkeit dominieren, sind weniger entscheidend, als sie im Moment häufig zu sein scheinen. Man muss also gnadenlos die Oberflächlichkeiten im Zeitplan aufspüren und auf ein Mindestmaß reduzieren. Studien haben herausgefunden: Man kann als Erwachsener, versierter Anwender von Deep-Work nicht mehr als 4 Stunden pro Tag in tiefer Konzentration zubringen. Danach ist man so ausgelaugt, dass man sich nicht mehr konzentrieren kann. Deep-Work ist also auf maximal 4 Stunden begrenzt.
Planen Sie jede Minute ihres Tages Link to heading
Wir verschwenden mehr Zeit mit gewissen Sachen, als wir glauben. Wir denken nicht viel darüber nach, was wir mit unserer Zeit anstellen. Und das ist ein Problem! Man muss vermeiden, dass die “Seichtigkeit” in jeden Winkel des Zeitplans “hineinkriecht”. Ohne Tagesstruktur gleitet die Zeit leicht in’s “Seichte” ab: Handy, E-Mails, Social-Media, Internetsurfen, etc.
Strategie:
Jeden Tag in der Früh in einem Notizbuch notieren, was man an diesem Tag machen möchte und dann die Stunden in (Arbeits-) Blöcke gruppieren. Das gilt nicht nur für Arbeit sondern auch für Erholung, Essen, Kochen, Freizeit, etc. In einem linierten Notizblock könnte man so jede Linie als Stunde ansehen und dann die Linien gruppieren.
Was tun, wenn man während der Umsetzung draufkommt, dass man mehr Zeit für einen Block braucht, oder etwas anderes wichtiges dazwischenkommt und den Block unterbricht? -> Das ist in Ordnung! Dann sollte man einen überarbeiteten Plan für die übrigen Stunden erstellen. Das Ziel ist nämlich nicht, um jeden Preis an einem vorgegebenen Plan festhalten, sondern jederzeit einen bewussten Überblick darüber zu haben, was man mit seiner Zeit anfängt (auch wenn sich das über den Tag hinweg ändert). Man soll sich jeden Tag fragen “Was kann ich sinnvolles mit der mir verbleibenden Zeit anstellen?”
Messen Sie die Tiefe jeder Tätigkeit Link to heading
Man sollte pro Tag also möglichst viel tiefgründige Aktivitäten machen und möglichst wenig oberflächliches. Aber welche Arbeiten “oberflächlich” sind, ist nicht immer ganz eindeutig. Um herauszufinden was oberflächlich ist und was nicht bzw. um ein “Maß der Oberflächlichkeit” zu definieren, kann man sich die folgende Frage stellen:
“Wie lange würde es dauern (in Monaten), um einen intelligenten, frisch gebackenen Hochschulabgänger ohne spezielle Ausbildung in meinem Bereich so einzuarbeiten, dass er diese Aufgabe erfüllen könnte?”
Tiefgründige Deep-Work Aufgaben haben einen doppelten Nutzen: Ihr Ertrag ist im Verhältnis zur aufgewendeten Zeit höher und ich trainiere meine Leistungsfähigkeit und mache sie dadurch besser.
Bitten Sie Ihren Chef um ein Budget für Shallow-Work Link to heading
Eine Strategie wäre, den Chef mit der Frage zu konfrontieren:
“Wie viel Prozent meiner Arbeitszeit sollte ich mit “Shallow-Work” verbringen?”
Dann einigt man sich auf eine bestimmte Antwort und hält sich anschließend daran. Warum wird diese Strategie empfohlen? Weil man dann Shallow-Work Arbeiten leichter ablehnen kann und sich dabei darauf berufen kann, dass man sich das so mit dem Chef ausgemacht hat. Wenn der Chef aber eine Antwort gibt, die signalisiert, dass Deep-Work in diesem Arbeitsplatz nicht unterstützt wird, sollte man zu einem Arbeitsplatz wechseln, an dem Tiefgang wertgeschätzt wird. Ansonsten kann man sich nicht weiterentwicklen.
Legen Sie um 17:30 Uhr die Arbeit nieder Link to heading
Die künstliche Beschränkung des Arbeitstags kann helfen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Diese “Planmäßige Produktivität” führt dazu, dass man auch mal “Nein” zu gewissen oberflächlichen Arbeiten sagt, die einem von anderen Leuten aufgeschwätzt werden.
Seien Sie schwer erreichbar Link to heading
E-Mails sind oberflächlich und bieten einen ständigen Strom von “speziell an Sie gerichtete Ablenkungen”. Ich persönlich zähle da aber auch Messenger wie z. B. Whatsapp dazu. Im Folgenden finden sich Tipps, wie man diese Ablenkungen minimiert.
Tipp Nr. 1: Absenderfilter Link to heading
Um im E-Mail Posteingang nur mehr wichtige Mails und keine oberflächlichen mehr zu erhalten, kann man einen “Absenderfilter” einrichten. Zum Beispiel kann man auf der Webseite eine andere Mail-Adresse angeben, die als automatische Antwort eingestellt hat: “Bitte schreiben Sie mir nur wichtige Themen. Wenn Sie mir nichts oberflächliches schicken möchten, senden sie es an: [hier echte mail adresse einfügen] “.
Tipp Nr. 2: Prozessorientierter Mail-Ansatz Link to heading
Das Ziel:
Die Anzahl der erhaltenen Nachrichten minimieren und auch die mentale Anstrengung, die diese mit sich bringen. Dadurch bleiben mehr Ressourcen für Deep-Work. Das macht man, indem man Nachrichten so formuliert, dass bereits in der ersten Nachricht alles so konkret formuliert ist, dass kein “Antwort-Ping-Pong” entsteht. Weil dieses oberflächliche Ping-Pong sollte vermieden werden, weil es unnötig Ressourcen frisst. Nach einer (oder möglichst wenigen) Antworten sollte schon alles geklärt sein, sodass die Konversation beendet werden kann.
Tipp Nr. 3: Nicht antworten! Link to heading
Antworten Sie nicht auf E-Mails, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:
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Die Mail ist nicht eindeutig oder erschwert es Ihnen anderweitig, eine vernünftige Antwort zu schreiben.
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Es handelt sich nicht um eine Frage oder einen Vorschlag, der für Sie von Interesse ist.
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Wenn Sie antworten, passiert nichts wirklich gutes und wenn Sie nicht antworten, passiert nichts wirklich schlimmes.
Manche Leute werden verärgert sein wenn man nicht mehr antwortet. Aber das ist in Ordnung so, weil: “Machen Sie es sich zur Gewohnheit, kleine unangenehme Dinge geschehen zu lassen. Tun Sie das nicht, finden Sie niemals die Zeit für die lebensverändernden großen Dinge” - Tim Ferriss
Fazit Link to heading
Die Konzentrationsfähigkeit ist eine Qualifikation, mit der sich wertvolle Dinge erledigen lassen. Deep-Work ist nicht deshalb so wichtig, weil Ablenkung etwas “böses” ist, sondern weil es z. B. Bill Gates dazu verholfen hat (in weniger als einem Semester!) eine milliardenschwere Branche ins Leben zu rufen. Das zeigt: Deep-Work ist mächtig!
Deep-Work bedeutet, den Verstand an seine äußersten Grenzen zu bringen, um wesentliches zu schaffen!
Quellen Link to heading
Buch Link to heading
- Cal Newport: Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen, Herausgeber: Redline Verlag, Jahr: 2017, ISBN: 978-3868816570